Kurz und bündig a-t 3/2026; 57: 22-3

Deutsches Gesundheitswesen im EU-Vergleich – Kosten Spitze, Prävention Schlusslicht

Mit dem Public Health Index vergleichen AOK und Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ) erstmals, wie gut wissenschaftlich empfohlene Präventionsmaßnahmen in Deutschland und 17 weiteren Ländern Nord- und Zentraleuropas umgesetzt werden.1 Von diesen Ländern gibt Deutschland pro Kopf am meisten Geld für die Gesundheitsversorgung aus, gehört jedoch bezogen auf die Umsetzung von Präventionsstrategien in den Bereichen Rauchen, Alkoholkonsum, Ernährung und Bewegung mit 37 von 100 möglichen Punkten zu den Schlusslichtern (Rang 17 von 18). Großbritannien liegt mit 73 Punkten auf Rang 1.1 Die Autoren des Index kritisieren den hierzulande mangelnden politischen Willen, effektive Präventionsstrategien durchzusetzen, mit denen sich nicht übertragbare Krankheiten wie Abhängigkeit, Krebs, Adipositas, Diabetes mellitus, Karies u.a. verringern lassen. Der kontraproduktive Einfluss von Lobbyisten ist allerdings groß (a-t 2025; 56: 89-90). Die Attraktivität von Alkohol und Rauchen ließe sich beispielsweise durch Einschränkungen der Werbung und – da der Preis ein wesentliches Steuerungsinstrument ist – durch spürbare Steuererhöhungen mindern. Die erzielten Mehreinnahmen könnten zudem zur Förderung von Präventionsmaßnahmen verwendet werden.1,2 Um die Ernährung zu verbessern, sollten die Verbreitung energetisch dichter hoch verarbeiteter Lebensmittel,3 die reichlich Zucker, Salz und Zusatzstoffe enthalten,4 sowie der Zuckerkonsum insgesamt drastisch eingedämmt werden. Hierzulande liegt der Jahresverbrauch bei 41 kg pro Kopf (2023), entsprechend 38 Zuckerwürfeln zu 3 g pro Tag.5 Eine nach Zuckergehalt gestaffelte Steuer, insbesondere auf gezuckerte Getränke, kann – wie in Großbritannien – die Anbieter veranlassen, den Zuckergehalt ihrer Produkte deutlich zu verringern, um die Steuer zu umgehen (a-t 2024; 55: 6-7). Für uns völlig unverständlich wurde kürzlich ein entsprechender Antrag, der auch von zahlreichen ärztlichen Organisationen wie der Bundesärztekammer unterstützt wurde, auf dem Parteitag der CDU abgelehnt.6 Bundesgesundheitsministerin Nina WARKEN will vielmehr beim Zuckerkonsum, wie auch beim Alkohol, ausschließlich auf Aufklärung und Freiwilligkeit setzen.7 Insgesamt offenbart der Index die fatale Koexistenz von extremen Aufwendungen für die Gesundheit und unzureichenden Strategien, Gesundheit durch Vorbeugung zu fördern. Die Bundesregierung steht in der Verantwortung, für effektive Prävention zu sorgen, die das Ausmaß lebensstilbedingter Krankheiten, das damit verbundene Leid und die Folgekosten eindämmt. Die jährlichen volkswirtschaftlichen Kosten des Tabakkonsums, die auch das Gesundheitssystem belasten, werden hierzulande derzeit auf 97 Milliarden Euro geschätzt, die von Adipositas und Alkoholkonsum auf 63 Milliarden bzw. 57 Milliarden Euro,1 –Red.

1AOK, DKFZ: Public Health Index, Stand Nov. 2025; https://a-turl.de/h2fp
2GROSS, G. et al.: Dt. Ärztebl. 2026; 123: B238-40
3ABBASI, K.: BMJ 2026; 392: s305 (2 Seiten)
4Bundeszentrum für Ernährung: Pressemitteilung vom 21. Sept. 2022; https://a-turl.de/iat4
5Statistisches Bundesamt: DESTATIS: Zuckerverbrauch pro Kopf 2023, Stand 2. Febr. 2026; https://a-turl.de/xa9u
6Dt. Ärztebl. vom 23. Febr. 2026; https://a-turl.de/h392
7Dt. Ärztebl. vom 23. Jan. 2026; https://a-turl.de/qrws

© 2026 arznei-telegramm, publiziert am 20. März 2026

Autor: Redaktion arznei-telegramm | Wer wir sind und wie wir arbeiten

Diese Publikation ist urheberrechtlich geschützt. Vervielfältigung sowie Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen ist nur mit Genehmigung des arznei-telegramm® gestattet.