Netzwerk aktuell a-t 1/2005; 36: 15

Proktokolitis nach Diclofenac-Suppositorien: Nach fünftägiger Anwendung von jeweils drei Diclofenac-Zäpfchen (VOLTAREN u.a.) steigt die Stuhlfrequenz bei einem 63-Jährigen auf bis zu 20 blutige Defäkationen pro Tag, zudem tritt Fieber auf. Bei unklarer Diagnose werden zunächst Ciprofloxacin (CIPROBAY u.a.) und Metronidazol (CLONT u.a.), später Mesalazin (SALOFALK u.a.) verordnet. Diclofenac wird abgesetzt. Die Beschwerden bilden sich langsam über Wochen zurück. Sigmoidoskopisch lassen sich eine gerötete, ödematöse Rektumschleimhaut mit Fibrinbelägen und Kontaktblutungen erkennen (NETZWERK-Bericht 13.526). Schmerzen im Unterbauch, blutiger Durchfall und hämorrhagische Kolitis können nach oraler oder rektaler Anwendung des Antirheumatikums auftreten. Im Rahmen des NETZWERKs berichteten wir mehrfach darüber (a-t 1994; Nr. 11: 110; 1996; Nr. 10: 103). Endoskopisch sind häufig Ulzerationen, unspezifische Erosionen und konzentrische Stenosen sichtbar. Histologisch ähneln die Befunde meist einer ischämischen Kolitis (PÜSPÖK, A.M.D. et al.: Dis. Colon Rectum 2000; 43: 685-91). Im Gegensatz zu den typischen Störwirkungen nichtsteroidaler Antirheumatika im oberen Gastrointestinaltrakt sind Entzündungen unterer Darmabschnitte jedoch weniger bekannt und werden daher vermutlich häufig übersehen.

© 2005 arznei-telegramm

Autor: Redaktion arznei-telegramm | Wer wir sind und wie wir arbeiten

Diese Publikation ist urheberrechtlich geschützt. Vervielfältigung sowie Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen ist nur mit Genehmigung des arznei-telegramm® gestattet.


arznei-telegramm Hefte
Eine Ära geht zu Ende.

arznei-telegramm® erscheint nur noch bis Ende 2026. Auch die Aktualisierung der atd Arzneimitteldatenbank endet im Dezember. Alle digital vorhandenen a-t Texte sowie die Inhalte der atd-Arzneimitteldatenbank sollen als Archiv weiterhin im Internet zur Verfügung stehen, solange die technischen und rechtlichen Möglichkeiten dies erlauben.

verfügbar bis Ende 2026